Blauer Dunst: Schadet Rauchen bei altersbedingter Makuladegeneration?

Für Raucher ist es Teil eines jeden Arztbesuches, den freundlichen Hinweis entgegenzunehmen, doch bitte mit dem Rauchen aufzuhören. Für Ärzte ist diese Empfehlung selbstverständlicher Teil eines ganzheitlichen Therapieansatzes – Rauchen aufhören, Ernährung anpassen, mehr Bewegung. Rauchen begünstigt einerseits die Entwicklung vieler Krankheiten und wirkt sich andererseits negativ auf den Heilungsverlauf aus. Vielen fällt es dennoch schwer, mit dem Rauchen aufzuhören, und so fragt man sich als Raucher natürlich: Schadet es wirklich so sehr? Bei Lungenkrankheiten reicht die Fantasie oft aus, doch wieso sollte Rauch den Augen schaden? Wie ist zum Beispiel der Einfluss des blauen Qualms auf die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)?


Feuchte AMD: Rauchen erhöht das Risiko deutlich

Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert eine im Jahr 2020 veröffentlichte Studie der Universität Sydney. Die Studie untersuchte 490 Probanden mit neovaskulärer AMD, also der sogenannten feuchten AMD. Aus der Studie geht hervor, dass Raucher durchschnittlich 5,5 Jahre früher an der feuchten AMD erkrankten als Nichtraucher und immer noch 4,4 Jahre früher als ehemalige Raucher. Bei ungefähr zehn Prozent aller AMD-Erkrankungen verändert sich die Frühform der AMD in eine feuchte AMD. Diese Form der Erkrankung kann zwar mittlerweile durch Injektionen therapiert werden, bleibt sie unentdeckt und somit unbehandelt, droht allerdings innerhalb weniger Monate der Verlust der zentralen Sehkraft. Bereits 2010 kam eine Studie zu dem Schluss, dass das Risiko an einer AMD zu erkranken bei Rauchern 83 Prozent über dem Erkrankungsrisiko von Nichtrauchern liegt. Bei ehemaligen Rauchern ist das Risiko immer noch um 42 Prozent erhöht. Darüber hinaus steigt bei Rauchern auch das Risiko anderer Augenerkrankungen. So ist die Wahrscheinlichkeit einen Grauen Star (Katarakt) zu erleiden um ein Drittel erhöht, bei einem Glaukom (Grüner Star) liegt die Wahrscheinlicht sogar schon 88 Prozent über dem Durchschnitt. Und der Rauch trifft nicht nur die Raucher selbst: Auch Personen, die mindestens fünf Jahre lang mit einem Raucher zusammengelebt haben und so passiv Rauch inhaliert haben, haben ein doppelt so hohes Risiko, an AMD zu erkranken.

E-Zigaretten verringern das Risiko, an AMD zu erkranken kaum

Die Hoffnung vieler Raucher, an ihrer liebgewonnenen Sucht festhalten zu dürfen, ruht nun auf den E-Zigaretten, Vapern, Verdampfern – oder was auch immer sich die Industrie ansonsten einfallen lässt. Doch auch hier wird sich wohl in Zukunft eher Ernüchterung breit machen, denn was der gesunde Menschenverstand vermuten lässt, wird nach und nach durch Studien bestätigt. So legt eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2020 nahe, dass hinsichtlich der Augengesundheit auch E-Zigaretten kaum einen Vorteil bringen. Denn auch die in ihnen verdampften Flüssigkeiten enthalten meist Nikotin. Darüber hinaus greift auch der Dampf der E-Zigaretten den schützenden Feuchtigkeitsfilm der Augen an. Die Folge – das Auge fühlt sich trocken an und wird anfällig für Verletzungen.

Warum ist Rauchen schädlich für die Augen?

Zigarettenrauch ist nun mal letztlich ein ziemlicher Giftcocktail, den man sich in die Lungen füllt. Nicotin, als prominentester Vertreter dieses Giftgemischs, schützt die Tabakpflanze davor, gefressen zu werden. Beim Menschen führt das Nervengift zu einer Verengung der feinsten Blutgefäße und somit zu einer schlechteren Durchblutung. Im Auge hat dies verheerende Folgen. Die Netzhaut mit ihren empfindlichen Sehzellen kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Außerdem werden Reststoffe aus den Stoffwechselprozessen nicht ausreichen abtransportiert. Das fördert die Bildung von Ablagerungen, Drusen genannt, die unter anderem für die Entwicklung der AMD verantwortlich sind. So kommt es, dass Rauchen eben nicht nur für die Lunge schädlich ist, sondern auch und gerade für die Augengesundheit. Und Hinweise der Ärzte, mehr Sport zu treiben, sich gesünder zu ernähren und vor allem mit dem Rauchen aufzuhören sind meist deutlich mehr als nur gut gemeinte Ratschläge.