Die wichtigsten Informationen zu Blasenentzündungen und Harnwegsinfektionen

Es brennt und sie verspüren einen ständigen Harndrang? Vermutlich leiden Sie an einer Blasenentzündung oder einer Harnwegsinfektion. Jede zehnte Frau leidet mindestens einmal im Jahr unter den unangenehmen Symptomen. Oft greifen die Betroffenen zu Antibiotika – doch das ist nicht immer notwendig.


Hilfe bei Blasenentzündung - Eine Frau sitzt mit einer Wärmflasche auf dem Bauch auf der Couch

Welche Symptome sind typisch für eine Blasenentzündung oder einen Harnwegsinfekt?

Zunächst unterscheiden Mediziner sowohl bei der Blasenentzündung als auch bei anderen Harnwegsinfekten zwischen der akuten und der wiederkehrenden – also chronischen – Form. Von einer chronischen Erkrankung sprechen sie bereits dann, wenn drei oder mehr Erkrankungen im Jahr auftreten. In vielen Fällen beginnt es mit häufigem Harndrang, der allerdings nicht durch eine volle Blase hervorgerufen wird. Es folgen meistens Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen im Unterbauch, die krampfartig werden können. Je nach Infektion kann sich zudem der Urin verfärben und unangenehm riechen; bei starken Infektionen findet sich sogar Blut darin. In einigen Fällen kann es außerdem zu einem ungewollten Urinverlust kommen.

Was sind die Ursachen einer Blasenentzündung oder eines Harnwegsinfekts?

Ursächlich für eine Blasenentzündung oder andere Harnwegsinfekte sind üblicherweise Darmbakterien, genauer gesagt: ein Bakterium mit dem Namen Escherichia coli (kurz: E.-coli). Der Übeltäter, der durchaus ein ganz normaler Bewohner unserer Darmflora ist, löst mehr als 80% aller Blasenentzündungen aus. Aber auch andere Bakterien wie etwa Proteus, Klebsiella oder Pseudomonas können die Infektion verursachen. Der kürzere Weg vom Darmausgang zur Harnröhrenöffnung bei Frauen ist dabei ein Grund dafür, dass Männer seltener unter Blasenentzündungen leiden. Außerdem ist die Harnröhre der Frau kürzer als die des Mannes, sodass die Bakterien schlicht und ergreifend schneller dort sind, wo sie nicht hingehören. Sobald die Bakterien das saure Milieu der Scheide überwunden haben, können sie unbemerkt den Harnleiter nach oben „klettern“ – aus diesem Grund nennt sich diese Art der Infektion auch aszendierende (aufsteigende) Infektion. Seltener wird eine Zystitis durch Hefepilze oder Viren ausgelöst; bei Männern können zudem so genannte Mykoplasmen oder Chlamydien eine Rolle spielen.

Blasenentzündungen sind unangenehm - Eine Frau sitzt auf der Toilette
Blasenentzündungen sind unangenehm – Eine Frau sitzt auf der Toilette

Welche Risikofaktoren spielen eine Rolle?

Der Hauptrisikofaktor für Blasenentzündungen und Harnwegsinfekte ist es, weiblich zu sein. Betroffen sind nämlich vor allem jüngere Frauen: Ungefähr jede dritte Frau zwischen 20 und 40 Jahren hatte bereits mit der Erkrankung zu kämpfen, etwa ein Viertel davon sogar mehrfach. Zur Risikogruppe gehören aber auch Schwangere, ältere Frauen im Klimakterium, und grundsätzlich ältere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – auch Männer. Besonders in Acht nehmen sollten sich empfindliche Menschen in diesen Risikogruppen vor Kälte, vor allem in der Intimzone. Die sorgt nämlich dafür, dass die Schleimhäute schlechter durchblutet und damit empfindlicher gegenüber Angriffen durch Krankheitserreger werden. Es ist also durchaus sinnvoll, sich nicht auf eine kalter Mauer zu setzen oder die Bikinihose nach dem Schwimmen zügig gegen trockene Unterwäsche zu wechseln. Ein weiterer Risikofaktor ist die Hygiene, wobei sowohl zu wenig als auch zu viel davon eine Infektion begünstigen kann. Zusatzstoffe in der Seife können den körpereigenen Säureschutzmantel im Genitalbereich auflösen bzw. dessen pH-Wert ändern, sodass Krankheitserreger leichter eindringen können. Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung von Blasenentzündungen und Harnwegsinfekten ist Sex. Besonders gefärdet sind hier Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern bzw. solche, bei denen häufiger Geschlechtsverkehr für eine mechanische Irritation der Schleimhäute geführt hat. In der Literatur liest man in diesem Zusammenhang oft von Honeymoon-Zystitis, also einer Flitterwochen-Blasenentzündung. Ein besonders hohes Risiko, an einer Blasenentzündung zu erkranken, haben auch Diabetiker. Bei hohen Blutzuckerwerten gibt die Niere überflüssige Glukose in den Urin ab. Dort entstehen so ideale Bedingungen für Bakterien, die sich in einer zuckerhaltigen, warmen Umgebung besonders gut vermehren können.

Was kann man vorbeugend tun?

Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Blasenentzündung oder eines Harnwegsinfekts reduzieren. Im Wesentlichen geht es dabei darum, möglichst wenig schädliche Keime in die Harnwege oder die Harnblase zu bekommen bzw. diese möglichst schnell wieder loszuwerden. Das Abwischen, Abtrocken oder Reinigen des Afters sollte zum Beispiel immer Richtung Rücken erfolgen, niemals Richtung Vagina. Auf diese Weise kommen keine ungewünschten Besucher aus der Darmflora in die Harnwege. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass die nützlichen Bakterien nicht Opfer einer übertriebenen Intimhygiene werden. Viele Zusätze in Reinigungsprodukten schießen nämlich über die Ziellinie hinaus und zerstören das empfindliche bakterielle Gleichgewicht. Besser geeignet sind spezielle und besonders milde Reinigungsprodukte für den Intimbereich. Auch beim Sex lässt sich das Risiko reduzieren: Nach dem Geschlechtsverkehr sollten vor allem Frauen zügig auf die Toilette gehen und Wasser lassen, um mögliche Keime auszuspülen, bevor sie sich festsetzen oder in weitere Bereiche des Harnwegs vordringen können. Apropos: Gut durchspülen ist auch unabhängig vom Sex eine gute Idee. Um mögliche Keime aus der Blase und den Harnwege zu spülen, sollte Frau mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen.

Bei einer hartnäckigen Blasenentzündung sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen
Bei einer hartnäckigen Blasenentzündung sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen

Wie lassen sich eine Blasenentzündung oder ein Harnwegsinfekt behandeln?

Bei einer schmerzhaften Blasenentzündung empfiehlt es sich, nicht zu lange mit dem Arztbesuch zu warten. Spätestens nach drei Tagen ohne spürbare Besserung sollten Sie sich ärztlich behandeln lassen. Falls Sie Fieber oder Nierenschmerzen entwickeln, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Er wird entscheiden, ob eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist. Das wichtigste ist darüber hinaus: viel trinken! Wenn sich die Blase häufiger entleert, werden die Bakterien besser ausgespült. Neben Wasser können Sie zu ungesüßten Blasen- und Nierentees greifen, die eine harntreibende Wirkung haben. Auf Alkohol und Kaffee sollten Sie hingegen komplett verzichten. Aber auch Wärme, zum Beispiel in Form von Sitzbädern oder durch eine Wärmflasche, lindert die Beschwerden in einigen Fällen.