Stille Entzündungen: Tückische Schwelbrände im Körper

Treten plötzlich und ohne ersichtliche Ursachen Schlafstörungen oder Abgeschlagenheit auf, können sich dahinter stille Entzündungen (silent inflammations) verbergen. Im Gegensatz zu akuten Entzündungen machen sich stille Entzündungen kaum durch die üblichen Entzündungsanzeichen wie Rötung oder Schwellung bemerkbar. Sie schwelen nahezu unsichtbar im Körperinneren. Doch mittlerweile stehen sie im Verdacht, von Adipositas über frühzeitiges Altern bis zu Tumorerkrankungen eine ganze Reihe Zivilisationskrankheiten zu fördern. Erfahren Sie hier, was stille Entzündungen so gefährlich macht.


Abgeschlagenheit kann ein Symptom für stille Entzündungen sein.
Abgeschlagenheit kann ein Symptom für stille Entzündungen sein.

Wie lässt sich eine stille Entzündung diagnostizieren?

Eine akute Entzündung macht sich recht deutlich durch ihre fünf Leitsymptome, zu denen Rötung und Schmerz zählen, bemerkbar. Außerdem steigt innerhalb weniger Stunden der Spiegel des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blutplasma stark an. Eine CRP-Konzentration von mehr als 0,5mg/dl weist auf eine akute Entzündung hin. Bei gesunden Menschen liegt der Wert unter 0,1mg/dl. Stillen Entzündungen fehlen die eindeutigen Symptome und der CRP-Spiegel zeigt bei normalen Messmethoden keinen Befund. Durch die Verwendung empfindlicher Messmethoden können allerdings auch sehr geringe CRP-Konzentrationen unterhalb von 0,5mg/dl angezeigt werden. Man spricht dann von dem hochsensitiven C-reaktiven Protein (hs-CRP). Eine hs-CRP-Konzentration zwischen 0,1mg/dl und 0,5mg/dl weist auf eine stille Entzündung hin. Da bisher jedoch eine eindeutige Diagnose schwierig ist, spricht man auch von subklinischen oder niederschwelligen (low-grade) Entzündungen.

Woran Sie selbst eine stille Entzündung bemerken

Chronische Entzündungen beginnen unbemerkt und schleichend, teilweise auch schubförmig. Oft fällt es den Betroffenen daher gar nicht so leicht, die stille Entzündung zu spüren. Häufig werden stille Entzündungen von Abgeschlagenheit, Schlafstörungen oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen begleitet. Wenn Sie im Winter jeden Infekt einsammeln, könnte dies also ein Hinweis auf eine stille Entzündung sein. Unabhängig von spürbaren Symptomen stellt sich eher die Frage nach dem individuellen Risiko: Personen, die rauchen, viel Alkohol zu sich nehmen, viel Bauchfett besitzen, viel Stress haben oder unter einer dauerhaft schlechten Schlafqualität leiden, entwickeln in der Regel im Laufe ihres Lebens irgendwann eine stille Entzündung. 

Wenn Sie jede Erkältung mitnehmen, kann das ein Hinweis auf versteckte Entzündungen sein.
Wenn Sie jede Erkältung mitnehmen, kann das ein Hinweis auf versteckte Entzündungen sein.

Wodurch werden stille Entzündungen ausgelöst?

Die Entzündung, als lebensnotwendige Antwort des Immunsystems auf einen schädigenden Reiz, ist eine empfindlicher Balanceakt zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Botenstoffen im Körper. Wird dieses Gleichgewicht zu Gunsten der proinflammatorischen Kräfte gestört, kann es passieren, dass Entzündungsprozesse nicht vollständig abgeschaltet werden, unterschwellig weiterlaufen und somit chronisch werden. Die häufigste Ursache chronischer Entzündungen ist eine Kombination aus falscher Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress. Dauerstress führt nämlich dazu, dass der Körper ständig das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Dabei handelt es sich um eines der wichtigsten entzündungshemmenden Hormone im Körper. Wenn es jedoch dauernd ausgeschüttet wird, verliert es irgendwann diesen Effekt. Doch auch weitere Faktoren können stille Entzündungen begünstigen:

  • Übergewicht: Bauchfett kann die Funktion einer Drüse übernehmen und so entzündungsfördernde Botenstoffe absondern.
  • Ungünstige Ernährung: die von den westlichen Industrienationen geprägte, moderne Ernährung weist ein ungünstiges Omega-3 zu Omega-6 Fettsäurenverhältnis auf. Häufig überwiegt der Konsum von Omega-6 Fettsäuren deutlich. Während Omega-3 Fettsäuren an der Bildung antientzündlicher Botenstoffe beteiligt sind, werden dagegen aus Omega-6 Fettsäuren entzündungsfördernde Botenstoffe gebildet. 
  • Alterungsprozesse: Das Immunsystem verliert mit dem Alter die Fähigkeit, gezielt fremde Bakterien oder Viren abzuwehren (adaptive oder spezifische Immunantwort). Dafür steigt, durch verstärkte Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe, die unspezifische Immunantwort.
  • Endotoxine: Dabei handelt es sich um Proteine aus den Zellwänden abgestorbener Bakterien. Diese können durch eine geschädigte Darmschleimhaut (Leaky-Gut-Syndrom) verstärkt in den Blutkreislauf gelangen und einen Anstieg proinflammatorischer Botenstoffe auslösen.
  • Allergene, also Mikropartikel die aus der Luft (Abgase, Pollen, Rauchen), über die Nahrung oder die Haut aufgenommen werden können ebenfalls zum Ansteigen entzündungsfördernder Botenstoffe führen.
  • Nicht richtig ausgeheilte akute Entzündungsherde, wie Nasennebenhölenentzündungen, abgekapselte Abzesse oder Karies.
Verschiedene Risikofaktoren können die Entstehung einer stillen Entzündung begünstigen.
Verschiedene Risikofaktoren können die Entstehung einer stillen Entzündung begünstigen.

Folgen einer stillen Entzündung

Ziel einer Entzündungsreaktion ist es, die Homöostase, also das Gleichgewicht aller Körperfunktionen, wiederherzustellen. Läuft die Entzündung jedoch niederschwellig weiter, geraten Körper und Immunsystem dauerhaft aus dem Gleichgewicht. Zu Beginn kann sich das durch Schlafstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen bemerkbar machen. Gravierender sind jedoch die Langzeitfolgen der erhöhten Entzündungsaktivität. Man geht davon aus, dass stille Entzündungen zu den Risikofaktoren für zahlreiche Zivilisationskrankheiten zählen. Beispielhaft genannt seien:

  • Adipositas
  • Arteriosklerose
  • Autoimmunerkrankungen wie Rheuma
  • chronische Schmerzen
  • Typ-2 Diabetes
  • Metabolisches Syndrom
  • Nicht-alkoholische Fettleber
  • Tumorerkrankungen

In der Psychiatrie oder Neurologie gilt es zudem als unbestritten, dass stille Entzündungen Depressionen auslösen können. Spannend sind in diesem Zusammenhang die Forschungsergebnisse der Psychoneuroimmunologie (PNI), die sich mit Fragen rund um die enge Verbindung zwischen Psyche, Körper und Immunsystem beschäftigt. Hier ist es bereits gelungen, die Verbindung zwischen emotionaler Stabilität und dem Immunsystem – und damit auch auf den Entzündungsstatus – zu belegen. So gilt es als erwiesen, dass etwa die Angst um den Arbeitsplatzverlust oder die Trennung vom Partner sehr ähnliche Immunreaktionskaskaden auslösen wie eine Infektion.

Was kann ich gegen stille Entzündungen tun?

Präventiv und therapeutisch begleitend empfiehlt sich vor allem ein antientzündlicher Lebensstil. Anders als Medikamente wirken sich Bewegung und eine antientzündliche Ernährung ohne Nebenwirkungen positiv auf den ganzen Körper aus. Expertinnen und Experten empfehlen, mindestens dreimal die Woche sportlich aktiv zu sein und Stress möglichst zu reduzieren – etwa durch Yoga oder Meditation. Eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, mit gesunden Proteinen und Fetten, mit einem Verzicht auf weißes Mehl zugunsten von Vollkornprodukten, wenig Fleisch und Zucker kann die Entzündungsfaktoren im Körper verbessern. Bei einer langfristig schlechten Schlafqualität sollten zudem Maßnahmen zur Einhaltung der Schlafhygiene ergriffen werden – also zum Beispiel das Einhalten fester Schlafzeiten. Wirksam sind alle diese Maßnahmen allerdings nur dann, wenn sie langfristig umgesetzt werden und Teil des normalen Lebens werden. Zudem zeigt sich immer mehr, dass psychische Ausgeglichenheit, positive Emotionen und ein stabiles soziales Umfeld zu einem gesunden Lebensstil beitragen können. Die besten Mittel gegen stille Entzündungen sind also: Glücklich sein, gesund essen und aktiv leben.

Externe Quellen

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