Resveratrol und OPC – Was hat es damit auf sich?

Ausgelöst durch das sogenannte französische Paradoxon ist Resveratrol seit den 1990er Jahren Gegenstand zahlreicher Studien. Das französische Paradoxon besteht aus der Beobachtung, dass Frankreich damals eines der Länder mit der geringsten Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen war – trotz ausgiebiger und fettreicher Essgewohnheiten, sowie eines hohen Rotweinkonsums. Vor allem die Polyphenole Resveratrol, sowie die als Traubenkernextrakt bekannten oligomeren Proanthocyanidine (auch OPC) rückten somit in den Fokus der Wissenschaft, da sie in großen Mengen in Rotwein enthalten sein können.

Je härter die Bedingungen desto höher ist der OPC-Gehalt in Weintrauben
Je härter die Bedingungen desto höher ist der OPC-Gehalt in Weintrauben

Resveratrol – Das Immunsystem der Rebstöcke

Resveratrol gehört zur großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Dabei handelt es sich um Stoffe, die nicht lebensnotwendig für Pflanzen sind. Unter anderem als Farb- oder Geschmacksstoffe erfüllen sie dennoch wichtige Aufgaben für die Pflanzen und sind auch für den Menschen als Nährstoffe von großem Nutzen. Resveratrol ist, als sogenanntes Phytoalexin, Teil des Immunsystem der Pflanzen. Es schützt die Pflanze vor eindringenden Mikroorganismen, wie Pilzen, Bakterien oder Viren. Außerdem wurde beobachtet, dass Rotweinreben, die erhöhtem Stress durch UV-Strahlung ausgesetzt werden, vermehrt Resveratrol ausschütten.

Der Japanische Staudenknöterich ist die Pflanze mit dem höchsten Resveratrolgehalt
Der Japanische Staudenknöterich ist die Pflanze mit dem höchsten Resveratrolgehalt

Wo ist Resveratrol enthalten?

Der Stoff wurde erstmals 1939 in Japan durch Michio Takaoka beschrieben. Dieser isolierte Resveratrol aus der Heilpflanze Veratrum grandiflorum. Auf diesen Ursprung weist der Namensbestandteil -veratr- hin. Das vorgesetzte Res- stammt von Resorcinolen und -ol ist die systematische Endung für Alkohole. Bis heute wurden über 70 Pflanzenarten entdeckt, die Resveratrol enthalten. Mit Abstand den höchsten Resveratrolgehalt hat der Japanische Staudenknöterich. Zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Gehalt an Resveratrol zählen Trauben, Kakao und Erdnüsse. Wobei Erdnüsse den Stoff vor allem in ihrer dünnen, roten Haut anreichern. Bei Trauben unterscheidet sich der Resveratrolgehalt von Rebsorte zu Rebsorte. Reben die eher unter schwierigen Witterungsbedingungen zu Hause und somit anfälliger für Schädlinge sind, enthalten mehr Resveratrol. Am meisten Resveratrol enthält die Sorte Tannat. In der Natur kommen zwei isomere Formen von Resveratrol vor – trans-Resveratrol und cis-Resveratrol. Isomere sind Moleküle mit der gleichen Summenformel aber unterschiedlicher räumlicher Struktur, so wie bei Menschen die linke Hand und die rechte Hand. Trans-Resveratrol ist die stabilere und damit in der Natur auch die häufiger vorkommende Form. Über genetisch veränderte Hefepilze lässt sich synthetisches trans-Resveratrol herstellen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für synthetisches trans-Resveratrol eine Tageshöchstdosis von 150mg festgelegt.

Resveratrol wird aus dem Extrakt der Blätter der Pflanze gewonnen
Resveratrol wird aus dem Extrakt der Blätter der Pflanze gewonnen

Resveratrol in Nahrungsergänzungsmitteln

Navimol verwendet Resveratrol, das aus dem Japanischen Staudenknöterich gewonnen wird. Die in China, Korea und Japan heimische Pflanze ist aufgrund ihres hohen Resveratrolgehaltes besonders zur Weiterverarbeitung geeignet. In ihren Heimatländern wird die Pflanze bis heute in Teeaufgüssen als Heilpflanze verwendet. In Europa genießt der Japanische Staudenknöterich vor allem bei Botanikern keinen allzu guten Ruf: Er gilt als unerwünschte invasive Art, also als Pflanze, die durch den Menschen in einen neuen Lebensraum gebracht wurde und dort Schäden verursacht. Grund dafür ist, dass sich der Staudenknöterich über unterirdische Rhizome rasend schnell ausbreiten kann. Dabei erreicht die Pflanze unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Wuchshöhe von drei bis vier Metern. Die Stiele des Knöterichs ähneln denen des Bambus, aber er bildet breite, handgroße Blätter aus. Die starke Schattenwirkung des Laubes trägt zusammen mit dem dichten Pflanzenstand dazu bei, dass der Knöterich nahezu alle Pflanzen in seiner Umgebung verdrängen kann. Der Ruf des Japanischen Staudenknöterichs ist also bei heimischen Pflanzenliebhabern ruiniert, dabei lassen sich die jungen Sprosse der Pflanze sogar essen. Er schmeckt allerdings, wie der mit ihm verwandte Rhabarber, sehr sauer. Auch schön – die Stängel des Knöterichs kann man benutzen, um Flöten zu bauen.

OPC werden meistens aus zermalenen Traubenkernen gewonnen
OPC werden meistens aus zermahlenen Traubenkernen gewonnen

Was sind Oligomere Proanthocyanidine (OPC)

Der zweite Verdächtige im Fall des französischen Paradoxons sind Oligomere Proanthocyanidine, kurz OPC. Innerhalb der Polyphenole zählen sie zu den Flavonoiden, einer Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen, die überwiegend als Farbstoffe in Erscheinung treten. Pflanzenfarbstoffe sind nicht nur Signal- oder Lockmittel. Da sie in der äußersten Schicht der Pflanzen liegen, übernehmen sie häufig auch eine Schutzfunktion. Sie können Schäden durch einfallendes UV-Licht verhindern sowie eindringende Mikroorganismen und Fressfeinde abwehren. Entdeckt wurden die OPC 1948 während einer Studie, die feststellen sollte, ob sich die roten Erdnusshäutchen verfüttern lassen. OPC finden sich nicht nur in Erdnüssen, sondern auch in Ginkgoblättern, Äpfeln, Kokosnüssen, Baumrinden und, wie Resveratrol auch, in Trauben. Dort kommt es vor allem in den Kernen und in den Schalen roter Trauben vor. Deswegen enthält Rotwein in der Regel mehr OPC als Weißwein. In Nahrungsergänzungsmitteln kommt üblicherweise OPC aus Traubenkernextrakt zum Einsatz. Dies wird das Extrakt beispielsweise mittels Wasser oder Ethanol aus Traubenkernmehl gewonnen.

Externe Quellen: