Propionsäure

Propionsäure ist eine so genannte kurzkettige Fettsäure. Als natürliches Produkt des Verdauungsprozesses spielt sie eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit, für den Energiestoffwechsel und für die schonende Regulation des Immunsystems. Aktuelle Studien machen Hoffnung, dass vor allem Menschen mit Autoimmunerkrankungen – wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose – von der Forschung rund um die Propionsäure profitieren könnten.

Was ist Propionsäure und wo kommt sie vor?

Propionsäure wird von Bakterien im Darm ganz natürlich aus ballaststoffreicher Nahrung hergestellt. In der Natur findet sie sich zudem in einigen ätherischen Ölen und in einigen Käsesorten. Anders als gesättigte, ungesättigte und Omega-3-Fettsäuren haben es diese kurzkettigen Fettsäuren (Short Chain Fatty Acids – SCFA) bislang nicht auf die Titelseiten der Ernährungsratgeber geschafft. Zu Unrecht, denn Studien zeigen, dass sie einen regulierenden Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Immunsystems haben. Doch kurzkettige Fettsäuren spielen auch bei verschiedenen Stoffwechselfunktionen eine wichtige Rolle. Ihren Namen verdanken sie dem Umstand, dass ihre Ketten nicht mehr als sechs Kohlenstoffatome enthalten. Propionsäure tritt oft in Form eines Salzes auf – in diesem Fall spricht man von Propionat. Je nach Art des Minerals, das sich an die Propionsäure bindet, kann es sich um Natrium-, Kalium- oder Calciumpropionat handeln.

Wie reguliert Propionsäure das Immunsystem?

Das Immunsystem hat die Aufgabe, krankmachende und schädliche Bakterien und Viren zu identifizieren und zu bekämpfen. Gleichzeitig muss es in der Lage sein, unterstützende und notwendige Bakterien im Darm zu erkennen und an dieser Stelle die Immunreaktion zu unterdrücken. Kurzzeitige Fettsäuren haben einen wesentlichen Einfluss auf diesen Mechanismus: Bei einer geringen Menge von kurzkettigen Fettsäuren kann etwa die Anzahl der regulatorischen T-Zellen – einer speziellen Gruppe der weißen Blutkörper – abnehmen. Diese Zellen verhindern normalerweise die Entstehung von Autoimmunerkrankungen, also von Krankheiten, bei denen das Immunsystem überreagiert und beginnt, den eigenen Körper zu bekämpfen. Studien zeigen, dass eine ausreichende Versorgung mit dem Salz der kurzkettigen Fettsäure dabei helfen kann, diese Entzündungen zu reduzieren. Beispiele für solche Autoimmunerkrankungen sind neben der Multiplen Sklerose vor allem Morbus Crohn, Schuppenflechte, Neurodermitis oder Rheuma.

Wie unterstützt Propionsäure die Darmgesundheit?

Propionsäure dient den nützlichen Darmbakterien als Nahrung, sodass sich ihre Zahl im Verhältnis zu den weniger nützlichen Darmbewohnern steigert. Durch die Ernährungsgewohnheiten in den westlichen Industrienationen ist die Versorgung mit kurzkettigen Fettsäuren allerdings oft zu niedrig, sodass die Zusammensetzung im Mikrobiom des Darm bei vielen Menschen nicht ideal ist. Verstärkt werden kann dieser Effekt durch Erkrankungen wie Multiple Sklerose: Patientinnen und Patienten weisen oft ein ungünstiges Verhältnis der Bakterien im Darm auf. Auch die Zellen der Darmwand werden durch kurzkettige Fettsäuren versorgt. Diese Zellen bilden eine Schutzschicht auf der Darmwand, halten schädliche Bakterien und Viren ab und sorgen dafür, dass verwertbare Stoffe in den menschlichen Organismus gelangen.

Welchen Einfluss hat Propionsäure auf den Stoffwechsel?

Auch den Zucker- und Fettstoffwechsel beeinflussen kurzkettige Fettsäuren günstig, wie Studien zeigen: Zunächst regen kurzkettige Fettsäuren die Insulinproduktion an, indem sie die Funktion der Bauchspeicheldrüse unterstützen. Insulin senkt den Blutzucker­spiegel und sorgt für ein Sättigungsgefühl, sodass der Hunger – gerade auf Süßes – deutlich nachlässt. Propionat verzögert zudem die Freisetzung von Zucker im Blut, sodass es den Cholesterinspiegel stabilisiert. Bestimmte Darmhormone sollen zudem durch die Aufnahme kurzkettiger Fettsäuren vermehrt ausgeschüttet werden. Dadurch wird die Magenentleerung verzögert, was den Appetit zusätzlich reduziert. Kurzkettige Fettsäuren sorgen außerdem dafür, dass die Neubildung von ungünstigen Fetten vermindert wird, die Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen und zu Fettablagerungen führen können.

Wie kann man die Versorgung mit Propionsäure verbessern?

Der einfachste Weg, ein Einfluss auf die Konzentration von Propionsäure im Darm zu nehmen, ist die Ernährung. Je mehr Faser- und Ballaststoffe unsere Nahrung enthält, desto besser können die hilfreichen Bakterien im Darm die kurzkettigen Fettsäuren herstellen. Ideal sind Gemüse, Vollkornprodukte, getrocknete Früchte oder Hülsenfrüchte. Um höhere Mengen der kurzkettigen Fettsäure zuzuführen, bietet sich zudem eine Einnahme von Propionsäure an. Ob diese Form der Einnahme mit Risiken verbunden ist? Seit vielen Jahrzehnten wird Propionsäure bereits in geringen Mengen erfolgreich als Lebensmittelzusatzstoff verwendet, damit Brot länger frisch bleibt – ein guter Beleg für die Verträglichkeit. So ist es wenig verwunderlich, dass sowohl die European Food Safety Authority (EFSA) als auch die amerikanische Lebensmittelbehörde US Food and Drug Administration (FDA) die Propionsäure als unbedenklich einstufen.